Hilfe für die HelferInnen – jetzt!

Profitstreben und Gesundheit passen nicht zusammen

Die Situation im Gesundheitswesen ist unerträglich geworden, für Pfleger, für Schwestern und für die PatientInnen. Auf den Stationen fehlt das Personal; Krankenhäuser werden privatisiert oder geschlossen; Tarifgehalt für die Beschäftigten gibt es in vielen Häusern nicht mehr. Nicht selten ist die Personalsituation derart prekär, dass Pfleger und Schwestern aus dem Frei geholt werden.

Für die Patientinnen verlängern sich Wartezeiten; die Pflege leidet und die Risiken von Infektionen im Krankenhaus wachsen. Da Kliniken aufgrund der DRGs angehalten sind ihre Kosten zu senken und Hospitäler in privaten Händen versuchen Profit zu erzielen; werden Erkrankte nach ihrer Behandlung immer schneller wieder nach hause geschickt. Man spricht von „blutigen Entlassungen“.

Die Beschäftigten leiden unter diesen Zuständen zusehends. Nach einer Befragung der Gewerkschaft ver.di können sich 75 Prozent der Pfleger und Schwestern nicht vorstellen in ihrem erlernten Beruf die Rente zu erreichen. Immer wieder wird der Druck, unter dem die Krankenhäuser stehen an die Angestellten weitergegeben. Ein rüder Umgangston zwischen Vorgesetzten und Untergebenen; ständiger Stress und das Gefühl, dass man – obwohl man bis zur Erschöpfung gearbeitet hat – die PatientInnen nicht gut genug versorgt hat sind die Folge. Diese Belastung nehmen Pflegekräfte sehr häufig mit nach Hause.

Das ist mehr als nur subjektives Empfinden. Sieht man sich die Zahlen der letzten Jahre an, wird der Kahlschlag im Gesundheitswesen plastisch.

Allein in Sachsen wurde zwischen 1991 und 2015 jedes dritte Krankenhaus geschlossen. Fast alle anderen wurden privatisiert. Kamen 1991 auf 10.000 EinwohnerInnen in Sachsen noch durchschnittlich 90,6 Krankenhausbetten, waren es 2015 nur noch 63,5. Gleichzeitig wachsen die Fallzahlen, die nur noch dann zu bewältigen sind, wenn man die Liegezeiten der PatientInnen teils drastisch verkürzt.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin geht davon aus, dass der von ihr vorgeschlagene Personalschlüssel für Intensivstationen bundesweit in 89 Prozent der Fälle nicht eingehalten wird. Nach ihrer Ansicht dürften auf Intensivstationen lediglich 2 PatientInnen durch eine Pflegekraft betreut werden. Bei schweren Fällen schlägt sie eine 1:1 Betreuung vor. Ohne Zweifel dürften derartige Bedingungen in deutschen Krankenhäusern nur im Ausnahmefall anzutreffen sein.

Die bewusst ausgedünnte Personaldecke hat inzwischen zu einem Berg von 17 Millionen Überstunden geführt und es ist kaum anzunehmen, dass diese Mehrarbeit umfassend vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen werden wird. Dafür fehlt es an finanziellen Mitteln und am Personal.

Die Misere des deutschen Gesundheitswesens wird inzwischen sogar m europäischen Ausland als untragbar angesehen: Werden PatientInnen aus deutschen Krankenhäusern in niederländische verlegt, kommen sie dort – nach einem Abstrich, der Multiresistente Keime feststellen soll – in Quarantäne!

Und ohne jeden Zweifel sind die Pflegekräfte in Deutschland vollkommen überfordert. In der letzten Umfrage des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung gaben 90 Prozent der befragten Pflegekräfte an, in den letzten sieben Arbeitstagen vor der Umfrage Demenzkranke nicht ausreichend überwacht zu haben – die Fülle der gestellten Aufgaben war dafür bei Weitem zu groß.

Hygienestandards, die nicht eingehalten werden können; übermüdete Pflegekräfte; zu schlecht betreute PatientInnen… – die Umstellung des Gesundheitswesens auf Profitorientierung zeigt ihr hässliches Gesicht.

Wenn man Gesundheit von einem Grundrecht zu einer Ware degradiert; dann verlieren PatientInnen und Beschäftigte gleichermaßen. Die Gewinner sind hingegen Pharma- und Krankenhauskonzerne wie Helios. Die Firmenphilosophie von Helios ist es, mit einem Krankenhaus zwischen 12 und 15 Prozent Gewinn zu machen. Die unweigerlichen Folgen haben wir in diesem Artikel beschrieben. Für Helios und Co steht der Profit im Vordergrund und nicht die Pflege. Man könnte auch sagen, Kapitalismus macht krank!

Die PatientInnen hingegen haben ein ureigenes Interesse an guter Pflege. Ebenso wie Pfleger und Schwestern. Helfen wir endlich denen, die uns helfen wollen! Am „Tag der Pflege“ gemeinsam demonstrieren.